Reisebericht: 7 Tage auf einer veganen Flusskreuzfahrt – Teil 3

///Reisebericht: 7 Tage auf einer veganen Flusskreuzfahrt – Teil 3

Tag 5 – 7

Tag 5: Ein Tag auf dem Wasser

Die Sonne: Sehe ich richtig?

Wir konnten morgens unser Glück kaum fassen. Die Sonne schien? Welch seltener Gast auf unserer Fahrt. Die Passagiere zog es an diesem Tag auf das Sonnendeck um die Strahlen in sich aufzusaugen. Das ließen wir uns natürlich auch nicht entgehen.

 

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Landschafts Impression vom Schiff

 

Frühstücken: Heute auch nicht

Wir wollten unseren Mägen eine Pause gönnen und hatten uns daher entschieden noch einmal das Frühstück auszulassen. Da wir den ganzen Tag dahinschippern würden, hat sich der Organisator ein buntes Programm zur Unterhaltung und eine Reihe an Vorträgen ausgedacht. Hierfür waren einige externe Gäste an Bord. Dazu zählten u.a. ein Ernährungsberater, mehrere Blogger und der Herausgeber von der Zeitschrift „Kochen ohne Knochen“. Wir waren sehr gespannt.

 

Die Vorträge: Für jeden was dabei

Als erstes ging es los mit einem Social Media Workshop, gefolgt von einem Vortrag zum Thema „Vegane Ernährung – die größten Ernährungsmythen wissenschaftlich belegt“ auf Deutsch und Englisch. Letzteren wollten wir uns auf jeden Fall anhören. Schließlich bekommen Veganer oft zu hören, „das kann doch nicht gesund sein, wie du dich ernährst“. Bei diesem Vortrag wurden u.a. Themen wie B12-Substitution und eiweißreiche Ernährung aufgegriffen. Das eine oder andere war uns durch die Literatur bereits bekannt. Wir amüsierten uns über die Aussage, dass die Milch von Ratten 11% an Proteinen beinhaltet. Kuhmilch hingegen weist nur 3% auf. Hinweis für alle Nicht-Veganer: Warum also nicht Ratten statt Kühen melken? 😉

 

Verkostung: Ein Scheibchen Käse gefällig?

Im Anschluss an den englisch-sprachigen Vortrag folgte eine Käse-Verkostung. Viele hatten die veganen Käsesorten schon in den letzten Tagen morgens auf dem Frühstücksbuffet probiert. Jetzt wurden sie ausführlicher vorgestellt. Es gab 4 Sorten vom Hersteller „Simply V“. Da die Produkte alle auf Mandelmilchbasis sind, konnte ich sie auch probieren. Unser Fazit war: Der neutrale Käse schmeckte uns am besten, gefolgt von den Varianten mit Pfeffer, Chilli und Kräutern. Alle Sorten erinnern etwas an Butterkäse.

Meine Kollegin fragt mich neulich, ob es einen veganen Käse gibt, den ich empfehlen kann. Meine Antwort war spontan „nein“. Meiner Meinung nach gibt es aktuell auf dem Markt keinen veganen Käse, der mit dem Original-Käse  konkurrieren kann. Die „Simply V“-Produkte sind eine Alternative für all jene, die Käse-Ersatz essen wollen. Die Frage sei aber erlaubt, warum ein veganes wie ein tierisches Produkt schmecken muss? Es gibt so viele andere leckere Lebensmittel.

 

Mittagessen: Da passt noch was rein

Danach stürmten wir halb ausgehungert zum Mittagessen. Hatten wir nicht gerade Käse gegessen? 😉 Das Salatbuffet war wie immer ein Besuch wert und für den Hauptgang fand sich auch noch ein freies Eckchen im Magen.

 

Nachmittagsprogramm: Essen, essen, essen – denken wir noch an was anderes?

Wer wollte, konnte nach dem Essen an einer Fragestunde mit dem Chef-Ingenieur teilnehmen. Uns interessierte das weniger. Wir ruhten uns kurz aus, bevor es zum Show Cooking mit dem Koch und Ernährungsexperten ging. Zubereitet wurde eine vegane Bolognese-Soße und eine Schokolanden-Nachspeise auf Avocado-Basis. Zudem gab er hilfreiche Tipps rund ums Kochen und Erläuterungen zu veganen Produkten. Nicht jeder wusste zum Beispiel was es mit Tempeh und Miso-Paste so auf sich hat. Bei beiden Lebensmitteln handelt es sich um Fermentationsprodukte auf Soja-Basis.

Während wir lauschten, bereitete die Küche parallel die Speisen aus dem Show Cooking vor. So konnten im Anschluss an die Kochvorführung alle probieren. Ich hielt mich wegen meiner Sojaunverträglichkeit dezent zurück und staunte mehr über die Meute, die – nachdem sie aufgegessen hatte – zum gerade eröffneten Kuchen-Buffet hinüber schoss. Ich fragte mich wie man zwei Stunden nach dem Mittagessen und den üppigen Probierhäppchen des Show Cookings schon wieder so hungrig sein konnte? Wir entschieden uns, erst  gar nicht nachzusehen welche süßen Versuchungen auf uns warteten. Die Gefahr, dass sich der Teller dann doch wieder von selbst füllen könnte, war uns zu groß.

 

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Sonnenuntergang vom Schiff

 

Abendprogramm: Spiel, Spaß und Unterhaltung

Nach dem Abendessen stand die „Vegan Activity Night“ an. Wir waren gespannt zu erfahren, was sich dahinter verbirgt – evtl. ein Quiz zu veganen Themen? Beim Abendessen sprach uns der Organisator an, ob wir auch dabei sein würden. Natürlich sagten wir zu. Vielleicht hätten wir uns schlauerweise vorab erklären lassen sollen, was uns genau erwartet. Die Erklärung kam letztendlich vor Spielbeginn in der Lounge auf dem Horizon Deck.

Pantomime, Umschreiben und Malen standen auf dem Programm. Aber natürlich nur mit veganen Begriffen. Ojeojeoje, worauf hatten wir uns da nur eingelassen. Aber wer A sagt muss auch B sagen…

Schnell hatten wir eine Gruppe gebildet. Eigentlich konnte nichts schief gehen, hatten wir doch einige Experten in unserem Team: Zwei Vegan-Köche, einen Ernährungsberater und den Vegan-Travel-Geschäftsführer Dirk.

Und los ging es. Insgesamt 7 Teams kämpften gegeneinander. Dirk aus unserem Team versuchte als erstes einen Begriff pantomimisch darzustellen – mit Erfolg. In Windeseile hatten wir – den zugegeben sehr einfachen Begriff „Veganer“ erraten: Erster Punkt für unser Team! Als nächstes folgte das Umschreiben eines Begriffes. Das war wesentlich schwieriger, zumal dies in englischer Sprache erfolgte und das gesuchte Wort „Anti-Speziesismus“ den meisten unseres Teams nicht geläufig war. Trotzdem setzten wir die Wörter gekonnt zusammen: Zweiter Punkt für unser Team!  Jetzt stand die dritte und letzte Runde an: Begriffe malen. Unsere Gruppe scheiterte diesmal leider. Wir kamen einfach nicht auf den gesuchten Begriff „Klimawechsel“. Man kann sagen, nah dran ist leider auch vorbei. Während die anderen Gruppen ins Stechen gingen, trösteten wir unseren Zeichenkünstler. Das Gewinnerteam das aus dem Stechen hervorging freute sich über die veganen Gummibärchen, die schließlich aber jeder bekommen hat. Somit gab es an diesem Abend nur Gewinner und wir ließen den Abend gemütlich ausklingen.

 

 

Tag 6: Zurück in Deutschland

Planänderung: Nächster Hafen Düsseldorf

Eigentlich war unser Plan gewesen, nach Maastricht  zu schippern. Leider war es auf der Maas zu einem Unfall gekommen. Ein Flussschiff war in eine Schleuse gerumst und hat diese massiv beschädigt – autsch! Die Fahrtstrecke würde voraussichtlich für Wochen unbefahrbar sein. Vegan Travel musste sich also eine neue Route einfallen lassen. Zur großen Freude der Amerikaner und Engländer fiel die Entscheidung auf Düsseldorf.  Die Passagiere aus dem Düsseldorfer-Raum waren hingegen weniger begeistert. Mein Partner und ich kannten Düsseldorf bisher nur von Kurzaufenthalten und so störte uns die Programmänderung nicht wesentlich. Natürlich wäre es schön gewesen noch den einen oder anderen Ort in den Niederlanden zu erkunden, aber somit hatten wir Gelegenheit mit der Düsseldorfer Altstadt die „längste Theke der Welt“ zu besuchen. 🙂

In Düsseldorf wurden drei geführten Touren angeboten. Vegan Travel hatte diese aufgrund der Fahrplanänderung kurzerhand organisiert. Doch wir wollten lieber auf eigene Faust losmarschieren. Nach einem schnellen Frühstück machten wir uns auf den Weg Düsseldorf zu erkunden. Wir marschierten zuerst in die Altstadt und von hier aus in die Königsallee. Zum Abschluss stand ein schöner, langer Spaziergang zum Medienhafen und entlang des Rheins zurück zum Schiff auf unserem Programm. Bei diesem Wetter machte das Fotografieren richtig Spaß. Kein Nebel, dafür ein bisschen Sonne – das war eine Wohltat! Wer weiß, was uns in Maastricht erwartet hätte. Insofern hatte die Routenänderung doch noch sein Gutes! Heute hatte ich die größte Ausbeute an Bildern. 🙂

 

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Brücke in Düsseldorf

 

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Skyline Düsseldorf

 

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Stadtansicht Düsseldorf

 

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Fernsehturm in Düsseldorf

 

Mittagszeit: Nochmal ordentlich schlemmen

Rechtzeitig kamen wir zum Mittagessen zurück und stärkten uns, um die Zeit bis zum Abendessen zu überstehen. Nach dem Mittagessen fanden nochmals zwei Ausflüge statt. Wir entschieden uns jedoch, das Leben an Bord noch einmal in vollen Zügen zu genießen. Schließlich war es unser letzter Tag an Bord. Morgen würde die Reise leider schon zu Ende sein.

 

Nachmittags: Zwischen Technik-Test und Ethik-Diskussion

Ich hatte es mir in der Horizon Lounge gemütlich gemacht. Amüsiert beobachtete ich  den Technik-Test für die am Abend anstehende Talentshow – es versprach ein lustiger Abend zu werden!?!

Am Nachmittag fand nochmals eine Diskussion zum Thema „Philosophie und Ethik in Bezug auf die Menschheit und Tiere“ statt. Zeitlich überschnitt sich diese leider mit der letzten angebotenen Yoga-Stunde.

 

Yoga:  Under the stars

Wir fragten uns, was „Under the stars“ wohl zu bedeuten hat. Das Dach im Swimming Pool Bereich ließ sich öffnen, aber bei den Temperaturen würden wir doch sicherlich kein Yoga unter freiem Himmel machen, oder? Als ich eintraf waren zwei Crew-Mitglieder bereits mit Vorbereitungen zu Gange. Als das Dach geöffnet wurde, bekamen die Teilnehmer in ihren dünnen Yoga-Outfits wirklich Angst, dass wir unsere Verrenkungen heute doch unter freiem Himmel machen müssten. Gott sei Dank diente das Öffnen des Daches nur zum Lüften…

Nach ein paar Minuten war ausreichend gelüftet und die Decke schloss sich wieder. Wir atmeten erleichtert durch.

Heute war unsere Gruppe wieder etwas größer. Tatsächlich hatten sich am letzten Tag der Reise noch einige Neulinge zu uns gesellt um Yoga auszuprobieren. Das Motto „Under the stars“ erschloss sich uns nach der Unterrichtsstunde immer noch nicht. Aufgrund der Übungen wäre der Titel „Wir lieben unsere Füße“ etwas passender gewesen, hätte aber vermutlich nicht so viele Teilnehmer angezogen.

 

Captains Dinner: Die Crew verabschiedet sich

Jetzt nach dem Yoga hieß es schnell duschen, anziehen, schminken und ab zum Abschiedscocktail. Der Captain verabschiedete sich im Namen der Crew von allen Passagieren. Im Anschluss folgten   noch einige Infos zum Ausschiffungstag. Dann ging es schnurstracks zum Abschieds-Abendessen. Wir waren etwas verwundert, als Dirk vom Tisch aufstand und anschließend wieder im Koch-Outfit erschien – in der Küche hatte es einen Engpass gegeben und er ist kurzerhand eingesprungen. Als Organisator muss man eben so ziemlich alles können.

 

Vegan’s Got Talent: Zwischen Können und Katastrophe

Nach dem Abendessen ging es an die Mikrophone. Karaoke, bzw. Show-Acts sind wirklich nicht jedermanns Sache. Deswegen schlichen wir so unauffällig wie möglich in die Horizon Lounge, damit keiner auf die Idee kam um uns auf die Bühne zu holen. Wir waren erleichtert, dass sich am Ende eines Liedes schon wieder der nächste Freiwillige zum Karaoke meldete. Zu unserer Freude hatten sich ein paar gesangfreudige Herren gefunden, die ihr Können zum Besten gaben. Nicht schlecht, Robbie Williams und Bob Dylan wären beeindruckt gewesen. Dirk sang zum Ende noch „I am sailing“ und zwar mit vollem Körpereinsatz. Wir kringelten uns vor Lachen. Wer hätte gedacht, dass diese Reise so unterhaltsam werden würde?

 

Mitternachtssnack: Zum letzten Mal

Ein letztes Mal hieß es: Ran an das Buffet und ab in die Koje. Wir müssen schließlich morgen früh raus.

 

 

Tag 7: Time to say goodbye

Aufbruchsstimmung: Schön war‘s

Früh klingelte unser Wecker. Jetzt schnell noch packen und bloß nichts vergessen. Um 08:30 Uhr musste schließlich die Kabine geräumt sein. Mein Begleiter wurde unruhig – wie lange braucht eine Frau denn zum Packen? Und Bilder vom Zimmer mussten auch noch gemacht werden … ich hatte bisher leider kaum Zeit 😉

Wir schafften es (fast) pünktlich. 🙂

Ein letztes Mal hieß es ordentlich frühstücken. Wer weiß, wann wir mal wieder etwas zwischen die Zähne bekommen. Wir verabschiedeten uns von den Mitreisenden und der Crew.

Es war eine sehr schöne Zeit. Die Leute waren wesentlich lockerer, als wir gedacht hatten und es gab auch den einen oder anderen Nicht-Veganer an Bord. Gut genährt und mit etwas zusätzlichem Gepäck (Hüftgold) machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Wir hatten noch genügend Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges. Obwohl wir zwischen Dönerstand und Burgerladen warteten, kamen wir nicht in Versuchung. Mein Begleiter betrachtete hingebungsvoll das Salami-Pizza Bild, aber nein, Appetit darauf hatten wir nicht. Das Essen an Bord war köstlich gewesen. Uns fehlte nichts. Das Einzige, was wir uns für die nächsten Tage vorgenommen hatten, war weniger zu essen. Aber jetzt rollten wir uns erstmal nach Hause.

Von |2017-05-22T14:01:05+00:008 Jan 2017|Blog, Reise-Tipps|0 Kommentare

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