Unsere 5 Punkte für ein allergikergeeignetes Bett

///Unsere 5 Punkte für ein allergikergeeignetes Bett

Ob du Hausstaubmilbenallergiker bist oder ein Hotel führst – wir sagen dir, worauf du achten solltest, damit das Bett auch wirklich für dich oder deine allergischen Gäste geeignet ist.

Viele Hotels bieten heutzutage allergikerfreundliche Zimmer mit entsprechender Bettwäsche an. Wer ein bisschen googelt, wird mit Sicherheit fündig. Leider hat sich bei mir in letzter Zeit der Eindruck verstärkt, dass Hotels ihre Zimmer schnell als Allergikerzimmer klassifizieren, sie aber in Wirklichkeit große Schwachstellen aufweisen. Vermutlich ist es einfach das fehlende Wissen. Oft scheint sich ja selbst die Wissenschaft nicht einige zu sein, was das Beste für uns ist. Wie soll ein Hotel dann wissen, was jetzt die ideale Ausstattung für ein Allergikerzimmer darstellt? Es gibt unterschiedliche Institutionen wie ECARF Travel, die den Hotels das nötige Wissen vermitteln. Nur nicht jeder Hotelier macht Gebrauch von diesem Angebot, sondern sieht die Informationen, die er im Netz oder durch Laien erhält, als ausreichend, um ein Hotelzimmer entsprechend als für Allergiker geeignet zu bezeichnen.

Wir sind gelegentlich auf Hotel-Check-Tour. Unsere Hotel-Checks könnt ihr auch hier nachlesen. Wir versuchen sie stätig zu erweitern. Jedenfalls quartiere ich mich immer in den „ für Allergiker geeigneten Zimmern ein“, um mir ein gutes Bild von den Hotels machen zu können. Gerade das Bett finde ich immer ein problematisches Thema in Hotels. Es geht nicht um Gemütlichkeit und Größe – sondern um die richtige Matratze, Bettdecke, Kopfkissen und Schutzüberzüge, so genannte Encasings, für Allergiker.

 

Die Basics

Die Hausstaubmilbe

Eine kurze Exkursion zur Hausstaubmilbe muss sein, bevor wir durchstarten. Hausstaubmilben sind ganz kleine Tierchen, die für das menschliche Auge gar nicht sichtbar sind. Hausstaubmilben mögen eine warme und feuchte Umgebung und sind daher gerade in Bettdecken, Kopfkissen und Matratzen anzutreffen. Gerade in letzterer können sie sich wunderbar verstecken. So seltsam es klingt, aber wahr – sie ernähren sich von den Hautschuppen, die wir nachts verlieren.

Die Hausstaubmilbenallergie

Hausstaubmilbenallergiker leiden meistens gerade nachts besonders stark. Verstopfte Nase, Husten, Atemnot sind einige Symptome, mit denen sie zu kämpfen haben. Aber worauf reagieren Hausstauballergiker überhaupt genau? Es ist nicht die Hausstaubmilbe an sich, sondern die Substanz, die im Kot der Milbe zu finden ist.

Lass uns jetzt aber starten.

 

5 Punkte zu einem allergikergerechten Bett

 

Punkt 1. Das Kopfkissen & die Bettdecke: Für welches Material soll ich mich entscheiden?

Wer die Wahl hat, hat die Qual – Synthetik, Mikrofaser, Daune oder Kapok? Wofür soll man sich nun entscheiden. Nachfolgend kurz erklärt:

Mein Favorit sind die Synthetik- und Mikrofaser-Bettwaren. Sie haben den großen Vorteil, dass sie meistens bei 95° gewaschen werden können. Hier bleiben keine Hausstaubmilben-Rückstände mehr übrig. Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Atmungsaktivität.

Daunen und Federn werden oft empfohlen, da diese in einem sehr feinporigen Inlett umschlossen sind, wodurch der Milbenbefall reduziert wird. Leider haben sie aber auch zwei Nachteile: Sie dürfen zum einen i.d.R. nicht bei 95° gewaschen werden. Das wäre aber die ideale Temperatur um Hausstaubmilben zu beseitigen. Zum anderen muss jeder für sich entscheiden, ob er tierische Inhaltsstoffe gut heißt.

In einigen Kreisen wurde früher auch Kapok als Füllmaterial empfohlen. Es hieß, dass der Bitterstoff der Kapok-Pflanze die Ansiedelung von Milben verhindern würde. Wissenschaftliche Studien haben dies jedoch nicht bestätigt. Einige Hersteller haben ihre Kapok-Produkte inzwischen vom Markt genommen.

Ein Blick auf die Gütesiegel von Stiftung Warentest, Öko Test und Ökotex ist immer zu empfehlen. Hier geht der Verbraucher sicher, dass es sich auf jeden Fall um schadstofffreie Produkte handelt.

 

Punkt 2. Die Matratze: Worauf muss ich achten?

In der Wissenschaft wurde die Matratze früher immer als der Platz bezeichnet, in dem sich die Milben besonders gerne verstecken. Selbst wenn sich das Mikroklima in der Wohnung ändert, sind sie hier geschützt.

Leider muss man sagen, dass alle Matratzen Hausstaubmilben anziehen. Es  gibt kein spezielles Material, das von ihnen nicht angenommen wird. Empfehlenswert sind daher Matratzen, die einen abnehmbaren und waschbaren Bezug haben. Einige dieser Bezüge haben zudem eine antibakterielle Schutzschicht, wodurch die Milbenkonzentration minimiert wird. Ebenso wie bei der Bettwäsche sollte die Matratze natürlich regelmäßig gelüftet und gewendet werden.

 

Punkt 3. Waschen: Nicht vergessen!

Damit Hausstauballergiker einen geruhsamen Schlaf genießen können, ist der richtige Umgang mit den Bettwaren wichtig. Dazu haben wir einige Tipps für dich, was das richtige Waschen betrifft:

  1. Temperatur: Kopfkissen und Bettdecke sollten bei mindestens 60°C, noch besser bei 95° waschbar sein. Wer sich neue Bettwaren anschafft, sollte darauf achten, dass sie bei 95° waschbar sind.
  2. Waschdauer: Die Waschdauer sollte mindestens 40 Minuten betragen.
  3. Häufigkeit: Alle 12 Wochen solltest du das Kopfkissen und die Bettdecke auf jeden Fall waschen. Solange dauert es nämlich bis die Allergenmenge erreicht ist, die Hausstauballergikern zu schaffen macht.
  4. Waschmittel: Am besten verwendest du Waschmittel auf pflanzlicher Basis. Chemische Waschmittel können leicht zu Reizungen der Haut und Atemwege führen.
  5. Lüften: Bitte vergiss nicht das regelmäßige Lüften der Bettwäsche. Der Mensch gibt in der Nacht Flüssigkeit und Schweiß in die Bettwäsche ab. Das feuchte Umfeld mögen die Milben besonders gerne. Durch das Auslüften der Bettwäsche trocknet diese wieder und schränkt die Vermehrung der Hausstaubmilben ein. Gerade im Winter ist dies eine sehr erfolgreiche Maßnahme. Hausstaubmilben mögen nämlich keine Kälte.

 

Punkt 4. Die Schutzbezüge: Ein zusätzlicher Schutz

Wie in den vorherigen Punkten deutlich wird, gibt es keine Bettwäsche oder Matratze, die nicht von Hausstaubmilben befallen werden kann. Jedenfalls soweit bisher bekannt ist. Zuvor genannte Maßnahmen helfen wenigstens die Verbreitung zu minimieren. Eine komplette Beseitigung ist leider nicht möglich. Seit vielen Jahren empfehlen Experten Schutzbezüge, so genannte Encasings. Sie können zusätzlich dazu beitragen, dass bis zu 40% der Partikel zurück gehalten werden.

Die Schutzbezüge werden über Kopfkissen, Decke und Matratze gezogen und stellen die Schicht zwischen der Bettwäsche und der Bettdecke dar. Sie sind luftdurchlässig und atmungsaktiv, haben jedoch eine höhere Dichte. Diese trägt dazu bei, dass die Hautschuppen, die wir nachts verlieren, abgehalten werden, in die Decke zu gelangen. Dadurch wird den Hausstaubmilben die Nahrungsmittel-Zufuhr abgeschnitten. Außerdem kommen die Exkremente der Milben nicht mit unserer Haut in Berührung.

Wer sich dazu entschließt, Encasings anzuschaffen (viele Krankenkassen übernehmen wenigstens einen Teil der Kosten), sollte in diesem Zuge am besten sein komplettes Bettzeug austauschen. Neue Decke, neues Kissen und neue Matratze und diese dann sofort mit den Encasings überziehen – das kann nur ein gelungener Anfang für einen geruhsamen Schlaf bedeuten. J Und auch diese bitte mindestens alle 12 Wochen waschen!

 

Punkt 5. Die Maßnahmen: Der Mix macht‘s!

Es gibt noch einige andere Maßnahmen, die du zusätzlich berücksichtigen solltest.

  1. Regelmäßiges Stoßlüften: Am besten du lüftest mehrmals am Tag z.B. morgens, mittags und abends für je 5-10 Minuten. Mir hat das Lüften immer besonders geholfen.
  2. Raumtemperatur: Unter 20° C ist zu empfehlen. Hausstaubmilben mögen es nämlich lieber warm. Ich muss gestehen, bei mir kann nachts die Temperatur auch gerne gegen den Gefrierpunkt wandern. Das ist traumhaft zum Schlafen. Eine warme Decke natürlich vorausgesetzt. 🙂
  3. Vorhänge: Es ist empfehlenswert, von Gardienen abzusehen. Rollos sind eine gute Alternative für diejenigen, die einen Sichtschutz brauchen.
  4. Luftfeuchtigkeit: Diese sollte idealerweise unter 60% gehalten werden.
  5. Pflanzen: Am besten du verbannst deine Zimmer- und Topfpflanzen aus dem Schlafzimmer. Sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit und begünstigen Schimmelpilzbildung.
  6. Staubsaugen: Durch regelmäßiges Staubsaugen mit speziellen Feinstaubfiltern und das feuchte wischen der Böden kannst du dir mehr Luft zum Durchatmen verschaffen.
  7. Anti-Milben Spray: Diese werden auch gerne verwendet, aber Achtung – sie töten nur die Milben ab. Die Exkremente bleiben und können weiterhin eine allergische Reaktion auslösen. Daher ist es wichtig, diese hinterher wegzusaugen. Eine komplette Beseitigung ist auch hiermit leider nicht gegeben.

 

Unser Fazit:

Wie du siehst, gibt es einige Maßnahmen, um die Milben-Belastung zu minimieren. Diese komplett zu beseitigen ist leider sehr schwer oder fast unmöglich. Wir sind gespannt, was die Wissenschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten hierzu noch erforschen wird. Vielleicht wird es eines Tages eine komplette Lösung zur Beseitigung der Hausstaubmilben geben.

Eins lässt sich auf jeden Fall sagen – eine Kombination unterschiedlicher Maßnahmen ist bis dahin sehr wichtig. D.h. idealerweise besitzt die Matratze einen waschbaren Überzug. Wie Kopfkissen und Decke sollte auch diese bei 95° waschbar sein. Ich würde Hausstauballergikern immer zu zusätzlichen Encasing-Überzügen raten. Ich sehe es weiterhin als schwierig an, ein Hotelzimmer als für Allergiker geeignet zu klassifizieren, wenn keine Encasing Überzüge vorhanden sind. Einzige Ausnahme – Hotels, die über 1.800m Höhe liegen. Denn hier herrscht fast vollständige Milbenfreiheit. Es gibt einige Wissenschaftler, die von Milbenfreiheit ab 1.500m sprechen. Mit 1.800m ist aber jeder auf der sicheren Seite.

 

Hier nochmals kurz zusammengefasst – die wichtigsten Punkte für eine geruhsame Nacht:

  1. Kopfkissen, Decke und Matratzenüberzug idealerweise alle 12 Wochen (gerne auch häufiger) bei 95° waschen!
  2. Encasing-Überzüge gehören in ein richtiges Allergiker-Zimmer, solange dies unter 1.800m Höhe liegt.
  3. Regelmäßiges Staubsaugen mit Feinstaubfiltern!
  4. Regelmäßiges Lüften der Räume und der Bettwaren!
  5. Raumtemperatur unter 20° halten!
  6. Keine Pflanzen in den Zimmern!
  7. Keine Vorhänge in den Zimmern!
  8. Antimilben-Spray verwenden und hinterher das Absaugen nicht vergessen!

 

Wenn diese Punkte berücksichtigt werden, kann man zur heutigen Zeit wirklich von einem gut geeigneten Zimmer für Allergiker sprechen. Ich bin mir aber sicher, dass ich noch viele so genannte Allergiker-Zimmer zu Gesicht bekommen werde, die diese Punkte nicht erfüllen. Leider lassen sich bestimmte Punkte bei einem Hotel-Check nicht überprüfen. Hierzu zählt beispielsweise wie häufig die Bettwäsche im Hotel gewaschen wird.

Wir werden das Thema auf jeden Fall weiterverfolgen. Gerade auch da eine kürzlich erschienene Studie plötzlich die Effektivität von Encasings angezweifelt hat. Dies würde sämtliche Aussagen der letzten Jahrzehnte zu Nichte machen.  Es bleibt also spannend was die Wissenschaft in den nächsten Jahren hierzu noch erforschen wird. Wir werden fürs erste aber dabei bleiben und die Encasings weiterempfehlen. Wollen aber deutlich machen, dass die Kombination der Maßnahmen wichtig ist.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch geruhsame Nächte und wir würden uns freuen, wenn mehr Hoteliers die genannten Punkte in Zukunft bei ihren Zimmerklassifizierungen berücksichtigen würden.

Aber jetzt sind wir auf deine Erfahrungen zum Thema gespannt. Kommentare sind immer gerne gesehen. 🙂

Von |2017-05-22T14:06:41+00:0020 Jan 2017|Vorgestellt|0 Kommentare

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