Beitrag: Die Wunderbohne Soja – Freund oder Feind des Menschen?

//Beitrag: Die Wunderbohne Soja – Freund oder Feind des Menschen?

Die Sojabohne ist eine sehr proteinreiche Hülsenfrucht aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler und enthält eine Reihe essentieller Aminosäuren, die für den menschlichen Organismus von großer Bedeutung sind. In Deutschland gilt die Sojabohne mittlerweile als eine der beliebtesten Alternativen tierischer Produkte. Obwohl ursprünglich ein Hauptnahrungsmittel der asiatischen Küche, hat die Sojabohne in den vergangenen Jahren in den Einkaufstaschen der deutschen Verbraucher einen festen Platz erobert (Animalfair, 2016).

Dennoch wird die Hülsenfrucht Soja in zunehmendem Maße kontrovers diskutiert. Debatten über Regenwaldabholzung, Gentechnik und Tierfutterexplosion bedrohen die aufkeimende Welle des Vegetarismus und Veganismus ebenso wie alarmierende Hinweise auf steigende Allergien. Zu Recht?

 
Dass eine pflanzenbasierte Ernährung immer beliebter wird, zeigt sich vor allem in der steigenden Anzahl der Vegetarier und Veganer in der Bevölkerung (VEBU, 2017). Ernährten sich laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung im Jahr 1983 noch 0,6% der Bevölkerung vegetarisch, so hat sich der Anteil der Vegetarier bis 2010 mehr als verzehnfacht (Uni Göttingen, 2010). Ergebnisse der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse zeigen im Jahr 2013 ein vorläufiges Hoch von 7,5 Millionen Konsumenten, die sich vegetarisch ernähren oder weitgehend auf Fleisch verzichten. Das entspricht einem prozentualen Anteil von etwa 9% der deutschen Bevölkerung (Statista-1, 2017).

Die Anzahl der Konsumenten, die nicht nur auf Fleisch, sondern auf alle tierischen Produkte verzichten, ist seit dem Jahr 2008 gar um mehr als das 15-fache gestiegen. Rund 1,3 Mio. Deutsche ernähren sich demnach aktuell vegan. Und der Trend ist noch nicht vorbei. Die große Mehrheit der Bevölkerung steht Veganismus noch immer sehr zurückhaltend gegenüber. Dennoch ist eine Untersuchung im Auftrag der Veganen Gesellschaft Deutschland e.V. mit rund 10 Millionen Menschen bereits in den Startlöchern. Bislang scheitert das Vorhaben, sich vegan zu ernähren, hauptsächlich an der Bequemlichkeit, der Angst vor Mangelernährung und den Kosten (Skopos, 2016).
Interessanterweise ist eine vegetarische oder vegane Lebensweise unter deutschen Frauen weit mehr verbreitet als unter deutschen Männern. Die Zahlen variieren dabei, dennoch zeigt sich im Mittel eine Verteilung von etwa 2:1 (Die Agrar-Blogger, 2014), (WDR, 2015).

 

Pflanzliche Ersatzprodukte bereits in vielen Supermärkten präsent

Noch vor wenigen Jahren waren pflanzliche  Ersatzprodukte vorrangig in ausgewählten Bioläden zu finden. Doch der Anstieg an Vegetariern und Veganern in Deutschland führte in den vergangenen Jahren zu einer steigenden Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln. In diesem Zusammenhang entwickelte sich vor allem Soja zu einem omnipräsenten Gesprächs- und Diskussionsthema in der Bevölkerung.
Heute gehören Ersatzprodukte  in nahezu jedem Supermarkt dazu. Fleischalternativen wie Soja verzeichnen seit dem Jahr 2008 ein jährliches Umsatzplus von 30% und erzielten damit laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen im Jahr 2015 bereits einen Umsatz von über 150 Millionen Euro. Ein Ende dieses Aufwärtstrends ist noch lange nicht in Sicht.

 

Soja punktet durch seine Vielseitigkeit

Insbesondere Soja ist aus der veganen oder vegetarischen Küche kaum wegzudenken, es punktet vor allem durch seine Vielseitigkeit. Ob als Sojamilch und damit als bekanntester und beliebtester Kuhmilchersatz, als Tofu, Tempeh oder Edamame (Bohnen am Zweig) – Soja ist in der Veggie-Küche nahezu universell einsetzbar (Animalfair, 2016).

Der aus geronnen Eiweißbestandteilen von Sojamilch hergestellte Tofu (Sojaquark) ist geschmacksneutral und eignet sich besonders zum Kochen und Braten, Tempeh hingegen ist eine fermentierte, gekochte Sojabohnenmasse mit einer eher festen Konsistenz, die mit würzigen Marinaden am besten schmeckt. Bei Edamame handelt es sich um frische Sojabohnen, die in Salzwasser leicht gegart und anschließend als Snack gereicht werden. Außerdem findet sich Soja auf deutschen Tellern auch als Sojaöl, Sojasoße, Sojapaste oder Sojajoghurt (FitForFun, 2017).

 

Deutschland auf Platz 3 der weltweit bedeutendsten Sojaimporteure

Mit der zunehmenden Verbreitung von Sojaprodukten im deutschen Lebensmittelhandel und der aufkeimenden Welle des Vegetarismus und Veganismus ist vor allem der Anbau von Sojapflanzen in den Focus gerückt. Im internationalen Ranking der führenden Sojaproduzenten spielt Deutschland zwar keine Rolle, wohl aber in puncto Nachfrage. Immerhin steht Deutschland mit einer Importquote von 3,5% der weltweiten Importmenge an dritter Stelle der bedeutendsten Sojaimporteure.

Nun könnte man annehmen, dass die gestiegene Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln direkt mit der Importquote korreliert. Tatsächlich aber hat sich die Einfuhrmenge von Sojabohnen und Sojaschrot nach Deutschland seit 2005 kaum verändert (OVID, 2016). Denn obwohl Soja nach Weizen und Mais die meistgehandelte Nutzpflanze ist, wird nur rund 1 Prozent der weltweiten Produktionsmenge zur Herstellung von Soja-Lebensmitteln verwendet. Etwa 80 Prozent der Sojabohnen werden als eiweißreiches Mastfutter in den Massentierhaltungen von Nordamerika und der EU verfüttert, zehn Prozent zu Agrartreibstoffen verarbeitet und neun Prozent finden Verwendung in der Margarineherstellung (Wikipedia, 2017).

Tatsächlich also landet ein Großteil der Sojaernte nur indirekt auf unseren Tellern, denn die Ausweitung der heutigen Anbauflächen bedient vor allem die zunehmende Nachfrage nach Soja als eiweißreiches Futtermittel.  Ein wesentlicher Grund liegt in der weltweiten BSE-Krise Anfang des 21. Jahrhunderts, nach der die Europäische Union im Dezember 2000 die Verfütterung von Tiermehl verbot. So ist die weltweite Sojaproduktion bis heute auf weit über 250 Millionen Tonnen gestiegen (Wikipedia, 2017), (WWF, 2017), (Faszination Regenwald, 2016).

 

Kritik von Umweltschützern

Kritik wird vor allem von Umweltschützern laut. Denn die Fleischproduktion hat sich in den vergangenen 50 Jahren weltweit mehr als vervierfacht; Deutschland zählt dabei mit 88,7kg Fleischverzehr pro Einwohner und Jahr zu den Nationen mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch. Aßen unsere Großeltern in der Regel nur einmal pro Woche Fleisch, so essen die Deutschen heute nahezu täglich Fleisch- oder Wurstwaren und damit doppelt so viel wie Ernährungsexperten aus gesundheitlichen Gründen empfehlen. Und mit jedem Stück Fleisch verzehren wir automatisch auch einen gewissen Anteil Soja.
Da unsere Viehbestände in Deutschland viel zu hoch sind, als dass sie von einheimischen Futtermitteln ernährt werden könnten und Soja weder in Deutschland noch im restlichen Europa großflächig angebaut wird, müssen wir nahezu unseren gesamten Bedarf aus Übersee importieren. Für Deutschland bedeutet dies eine jährliche Einfuhr von über 4 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot (Faszination Regenwald, 2016), (Agrarheute, 2016), (TAZ, 2015), (WWF, 2017).

 

Der weltweite Fleischkonsum im Überblick

Die Daten basieren auf den derzeit verfügbaren aktuellsten Vergleichszahlen der FAO, Stand 2011:

  • Australien: 121,2 Kilogramm pro Kopf
  • USA: 117,6
  • Österreich: 106,4
  • Argentinien: 101,7
  • Brasilien: 93,0
  • Frankreich: 88,7
  • Deutschland: 87,9
  • Schweiz: 74,7
  • Russische Föderation: 66,9
  • Südkorea: 62,2
  • China: 57,7
  • Türkei: 33,4
  • Kenia: 16,0
  • Indonesien: 12,9
  • Indien: 4,1

Die EU und andere Regionen sowie die Welt insgesamt:

  • Europäische Union: 82,6 kg/Kopf
  • Afrika: 18,6
  • Asien: 31,3
  • Südamerika: 78,4
  • Welt: 42,4

 

Nutztiere fressen buchstäblich den Regenwald

Hauptanbaugebiete von Sojabohnen befinden sich vor allem in den USA und Südamerika. Um der steigenden Nachfrage nach Soja gerecht zu werden, wurden jahrelang einzigartige Lebensräume  wie der tropische Regenwald des Amazonasgebietes, die Trockenwälder des Chaco oder die Nebelwälder Argentiniens zerstört und fielen – zum Teil auch illegalen – Sojaplantagen zum Opfer.

Rund 30 Prozent ist die Anbaufläche von Soja damit in den vergangenen Jahren gestiegen. 2006 wurde die Sojabohne noch auf rund 94 Millionen Hektar Landfläche angebaut, 2015 waren es bereits mehr als 120 Millionen Hektar ( (WWF, 2017, (Deutscher Sojaförderring, 2016), (Statista-2, 2017).

Immerhin unterzeichneten im Juli 2006 nichtstaatliche Organisationen (NGOs) und Soja-Großhändler in Brasilien die erste freiwillig getroffene Vereinbarung zum Stopp von Sojahandel auf illegal gerodeten Regenwaldflächen: Das Soja-Moratorium. „Seitdem wurden in Brasilien nur noch 40.000 Hektar entwaldet.“, berichtet Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge (TAZ, 2015), (Faszination Regenwald, 2016). Ein richtungsweisendes Modell mit Nachahmungscharakter?

 

Wissenschaftler sehen die Ernährung der Weltbevölkerung zunehmend in Gefahr

Hier beißt sich die Katze dennoch in den Schwanz. Denn namhafte Forscher schlagen Alarm und fordern eine deutliche Ankurbelung des Pflanzenertrags, um nicht nur dem Fleischkonsum und der weiter steigenden Nachfrage nach Agrartreibstoffen Rechnung zu tragen, sondern auch, um die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern. Bereits in naher Zukunft erwarten die Wissenschaftler einen Anstieg der Weltbevölkerung auf rund 9 Milliarden Menschen, von denen schon heute etwa 870 Millionen Menschen unterernährt sind. Demnach müsste im Jahr 2050 doppelt so viel Reis, Weizen und Soja geerntet werden wie jetzt.

Einig ist man sich dennoch, dass mehr Anbaufläche keine Lösung ist, denn aktuell wird zum Anbau von Soja, Mais und Co. bereits eine Fläche in der Größe des afrikanischen Kontinents genutzt. Um eine adäquate Versorgung zu sichern, gilt es vielmehr, den Ertrag pro Pflanze anzukurbeln (Handelsblatt, 2013).

 

Ertragssteigerung durch transgene Sojabohnen

Durch den Einbau gentechnisch veränderter (transgener) Merkmale können im Sojaanbau wesentliche Ertragssteigerungen erzielt werden, denn sie verhindern, dass ein Teil der Ernte Schadinsekten oder Unkrautkonkurrenz zum Opfer fällt. Bereits seit 1996 ist eine transgene Sojabohne zugelassen, die die Unkrautbekämpfung erleichtert. Diese Pflanzen weisen eine Resistenz gegen das Breitbandherbizid Glyphosat auf. In Mexico beispielsweise lieferten herbizidtolerante Sojapflanzen einen um 9 Prozent höheren Ertrag; in Rumänien stieg der Ertrag durchschnittlich um 31 Prozent. Im Jahr 2015 wurden rund 83 Prozent der globalen Sojaanbaufläche mit transgenem Saatgut bepflanzt (Monsanto, 2017), (wikipedia, 2017).

 

Unvorhersehbare Folgen transgenen Sojas

In jüngster Vergangenheit mehren sich kritische Stimmen, die eindringlich vor Gensoja warnen, vor allem im Zusammenhang mit der rücksichtslosen Verwendung der Herbizide Glyphosat und Endosulfan.

Sofía Gatica, eine Hausfrau aus Ituzaingó in Argentinien, ist die Stimme der »Mütter von Ituzaingó«. Seit Jahren kämpft die Gruppe aktiv gegen den Einsatz dieser Herbizide.
Mit guten Grund: In ihrem Heimatdorf am unmittelbaren Rande riesiger Sojaplantagen liegt die Krebsrate um ein Vielfaches über dem Durchschnitt, ebenso die Zahl der Fehlgeburten, neurologischen Defekte und Atemwegsinfektionen. Und Gaticas Tochter starb drei Tage nach ihrer Geburt an Nierenversagen. Allesamt mögliche und geduldete Folgen eines unkontrollierten Gifteinsatzes zu Gunsten höherer Sojaerträge.

2011 gewann Sofía Gatica einen ersten Prozess gegen die Giftspritzer und erhielt 2012 den bedeutenden Goldman Prize für Umweltschutz. Auf Vorträgen in Deutschland warnte sie eindringlich vor den Folgen des gespritzten Gensojas aus Argentinien in deutschem Mastfutter. Denn Forscher der Universität Leipzig entdeckten Glyphosat im Urin von Kühen, das Bundesinstitut für Risikobewertung sah allerdings »keine neuen Erkenntnisse«.

Raúl Montenegro, ein 65-jähriger argentinischer Biologe, der 2004 den alternativen Nobelpreis – den Right Livelihood Award – erhielt, bringt es auf den Punkt: »Das Gift ist überall. In der Erde. Im Wasser. In den Menschen«. Er hält die Gen-Industrie für ein gefährliches Experiment, dessen wahre Konsequenzen erst in zwei, drei Generationen spürbar werden. Besuchern zeigt er gerne die aktuellen Auswirkungen ungezügelten Herbizideinsatzes auf das Ökosystem. Es ist die Stille auf den Sojaplantagen. Denn zwischen den mit Glyphosat oder Endosulfan behandelten Pflanzen überlebt kaum eine Grille, Wespe oder Mücke.

Obwohl der Molekularbiologe Andrés Carrasco von der Universität Buenos Aires bereits im Jahr 2009 Embryonen von Amphibien winzige Spuren von Glyphosat injizierte und zeigte, dass die Föten der Tiere belastet bis entstellt waren, wachsen Bewusstsein und Widerstand  nur langsam. Denn die Macht der milliardenschweren Agrarlobby ist gewaltig (SZ-Magazin, 2014).

 

Anbau von Gensoja in Deutschland verboten, Import erlaubt

In Deutschland darf nach aktueller Gesetzgebung kein gentechnisch verändertes Soja angebaut, wohl aber importiert werden. Obwohl die Widerstände gegen Gentechnik hierzulande, aber auch im restlichen Europa groß sind, befinden sich bereits genmanipulierte Sojaprodukte in unseren heimischen Supermärkten. Laut einer Greenpeace-Erhebung und nach Auffassung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) handelt es sich dabei meist um Schokoriegel oder andere Süßigkeiten, bevorzugt aus den USA (WeLT, 2012).

Wer sicher gehen möchte, ein Lebensmittel ohne gentechnisch veränderte Zutaten zu verzehren, muss nach Aussage von Christoph Then, Wissenschaftler und Leiter des gentechnikkritischen Instituts Testbiotech, auf biologische Herstellung oder das Siegel »Ohne Gentechnik« achten. An der genauen Betrachtung des Kleingedruckten auf einer Verpackung kommen wir daher leider nicht vorbei.

 

Zunahme von Sojaallergien in Deutschland

Im Jahr 2012 erlaubte die EU-Kommission nun erstmalig den Import einer in mehreren Merkmalen gentechnisch veränderten Sojasorte. Diese ist nicht nur resistent gegen Glyphosat, sondern bildet gleichzeitig ein Insektengift, das sie vor Schädlingen schützen soll.  Christoph Then sieht das kritisch. Anlass zur Sorge bereite vor allem der Eiweißstoff des Insektengifts, der Reaktionen des Immunsystems verstärke und damit die Gefahr einer Allergiepotenzierung berge. Möglich sei eine heftigere Reaktion nach dem Essen als bei Sojapflanzen aus konventionellem Anbau (TAZ, 2012), (WeLT, 2012).

 

Birkenpollenallergiker besonders gefährdet

Seit geraumer Zeit beobachten aufmerksame Wissenschaftler ohnehin eine Zunahme von Sojaallergien, vor allem bei Birkenpollenallergikern. Ursache hierfür ist hauptsächlich die Kreuzreaktion eines Birkenpollenallergens mit einem in seiner Struktur ähnlichen Sojaallergen, das vor allem in Sojaeiweiß zu finden ist.

Vielen Birkenpollenallergikern ist zudem nicht bewusst, dass in 30 bis 50 Prozent aller Fälle Kreuzreaktionen beim Konsum eiweißreicher Sojaprodukte auftreten können.
Da heutzutage in rund 20.000 Nahrungsmitteln Sojabestandteile in deklarierter oder nicht-deklarierter Form enthalten sind und diese häufig aktiv beworben werden, steigt die Anzahl Betroffener.

Verzehren Birkenpollenallergiker also Sojaprodukte oder Produkte mit versteckten Sojaeiweißbestandteilen wie z. B. Sojamehl, Sojakonzentraten oder isoliertem Sojaeiweiß, die u.a. in Backwaren, Fertiggerichten, Fleischwaren und Milchprodukten enthalten sein können, steigt die Gefahr, eine pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie gegen Soja zu entwickeln.

Laut Prof. Dr. med. habil. Regina Treudler, leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Leipzig, führe dies u.U. zu schwerwiegenden Symptomen wie Kribbeln und Schwellen der Mundschleimhaut, Nesselfieber, Atemnot, Magen-Darm-Beschwerden oder Kreislaufsymptomen. Im schlimmsten Fall könne auch ein anaphylaktischer Schock auftreten. Seltener komme es hingegen zu einer primären Nahrungsmittelallergie, bei der Betroffene auf sogenannte Sojaspeicherprodukte reagieren. Bei einer Inhalationsallergie entwickeln Patienten durch Kontakt mit Sojastäuben Symptome wie einen allergischen Schnupfen oder Asthma (Universitätsklinikum Leipzig, 2017), (Alles zur Allergologie, 2015). Bei der Ausprägung von Symptomen spiele nach Treudler auch der jeweilige Verarbeitungsgrad eine Rolle. Gering prozessierte Sojaprodukte wie beispielsweise Sojapulver oder Sojadrinks bergen ein höheres Risiko einer allergischen Reaktion, da z.B. das pollenassoziierte Sojaallergen Gly m4 erst durch Hitze zerstört werde.

Für Kosmetika und Arzneimittel gibt Treudler im Gegenzug Entwarnung. Obgleich diese heutzutage häufig Soja enthielten, handele es sich in diesen Fällen meist um Bestandteile ohne allergieauslösendes Sojaprotein.

 

Erste Hyposensibilisierungsstudie bei pollenassoziierter Sojaallergie

Aktuell versuchen Forscher in der sogenannten BASALIT Studie mit 130 pollenassoziierten Sojaallergikern, durch eine subkutane Hyposensibilisierungstherapie (unter die Haut gespritzt) mit dem Hauptbirkenpollenallergen Bet v 1 deren Toleranz gegenüber Sojaeiweiß zu erhöhen. Die ersten Auswertungen klingen durchaus ermutigend (Universitätsklinikum Leipzig, 2017).

Vorerst sei Birkenpollenallergikern jedoch ein genauer Blick auf die Zutatenliste eines Produktes ans Herz gelegt. Gesundheitspolitisch lohnt es sich wohl für jeden Verbraucher, ein wachsames Auge auf die Entwicklung der Gentechnik bei Sojaprodukten zu haben.  Schließlich könnte man schon morgen von unbekannten Folgen betroffen sein.

Dem Aufwärtstrend vegetarischer und veganer Ernährungsformen sollte die Sojabohne indes nicht im Weg stehen. Im Gegenteil: Part-Time-Vegetarier könnten durch den Verzicht auf Fleisch einmal wöchentlich dazu beitragen, den Fleischkonsum zu reduzieren und die damit einhergehenden Folgen wie Waldrodung oder steigende Massentierhaltung zu begrenzen.

 

Quellenangaben

Animalfair (2016): Die Sojabohne – Freund oder Feind einer nachhaltigen Lebensweise, http://www.animalfair.at/2016/09/die-sojabohne-die-wohl-bekannteste-huelsenfrucht/
[Eingesehen am 18.05.17]

VEBU (2017): Vegetarierbund Deutschland, Anzahl der Veganer und Vegetarier in Deutschland, https://vebu.de/veggie-fakten/entwicklung-in-zahlen/anzahl-veganer-und-vegetarier-in-deutschland/ [Eingesehen am 18.05.17]

Uni Göttingen (2010): Low Meat Consumption als Vorstufe zum Vegetarismus? Eine qualitative Studie zu den Motivstrukturen geringen Fleischkonsums, https://www.econstor.eu/bitstream/10419/30323/1/621698482.pdf, [Eingesehen am 18.05.17]

Statista (2017): Das Statistik-Portal, Anzahl der Personen in Deutschland, die sich selbst als Vegetarier einordnen oder als Leute, die weitgehend auf Fleisch verzichten, von 2012 bis 2016 (in Millionen), https://de.statista.com/statistik/daten/studie/173636/umfrage/lebenseinstellung—anzahl-vegetarier/ [Eingesehen am 18.05.17]

Skopos (2016): Institut für Markt- und Kommunikationsforschung, 1,3 Millionen Deutsche leben vegan,  https://www.skopos.de/news/13-millionen-deutsche-leben-vegan.html
[Eingesehen am 18.05.17]

Die Agrar-Blogger (2014): Zunehmende Entfremdung – Landwirtschaft und der Vegetarismus, https://agrarblogger.de/2014/02/27/zunehmende-entfremdung-landwirtschaft-und-der-vegetarismus/ [Eingesehen am 18.05.17]

WDR (2015): Die Quarks-Umfrage, http://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/sendungen/vegetarier-umfragewdh100.html20.01.2015 [Eingesehen am 18.05.17]

FitForFun (2017): Sojaprodukte: Woraus bestehen sie genau?, http://www.fitforfun.de/abnehmen/gesund-essen/soja/sojaprodukte-woraus-bestehen-sie-genau_aid_6884.html [Eingesehen am 18.05.17]

OVID (2016): Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland, Import Deutschland Sojabohnen und Sojaschrot 2005 – 2015, http://www.ovid-verband.de/fileadmin/user_upload/ovid-verband.de/images/Diagramme_2016/Sojabohnen_-schrot_Import_D_2016.pdf [Eingesehen am 18.05.17]

Wikipedia (2017): Sojabohne, https://de.wikipedia.org/wiki/Sojabohne [Eingesehen am 18.05.17]

WWF (2017): World Wide Fund For Nature, Soja als Futtermittel, http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/soja-als-futtermittel/ [Eingesehen am 18.05.17]

Faszination Regenwald (2016): Soja – der fleischgewordene Wahnsinn, http://www.faszination-regenwald.de/info-center/zerstoerung/soja.html [Eingesehen am 18.05.17]

Agrarheute (2016): Fleischkonsum: Diese Länder konsumieren am meisten, https://www.agrarheute.com/news/fleischkonsum-diese-laender-konsumieren-meisten
[Eingesehen am 18.05.17]

TAZ (2015): Regenwald fürs Schwein, http://www.taz.de/!5221198/ [Eingesehen am 18.05.17]

Deutscher Sojaförderring (2016): Flächen Sojaanbau weltweit,
https://www.sojafoerderring.de/links-mehr/soja-global/statistik/ [Eingesehen am 18.05.17]

Statista (2017): Das Statistik-Portal, Anbaufläche von Sojabohnen weltweit in den Jahren 2003/04 bis 2016/17, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/443191/umfrage/anbauflaeche-von-sojabohnen-weltweit/ [Eingesehen am 18.05.17]

Handelsblatt (2013): Ernteerträge steigen zu langsam für künftige Welternährung, http://www.handelsblatt.com/technik/energie-umwelt/mais-reis-weizen-und-soja-ernte-ertraege-steigen-zu-langsam-fuer-kuenftige-welternaehrung/8380678.html [Eingesehen am 18.05.17]

Monsanto (2017): Steigern gentechnisch veränderte Nutzpflanzen den Ertrag? http://www.monsanto.com/global/de/news-standpunkte/pages/vorteile-gentechnisch-veranderter-pflanzen.aspx [Eingesehen am 18.05.17]

SZ-Magazin (2014): Der Tod kommt mit dem Wind, http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/42435/2/1 [Eingesehen am 18.05.17]

TAZ (2012): Soja erhöht das Allergierisiko, http://www.taz.de/!5089420/ [Eingesehen am 18.05.17]

WeLT (2012): Genfood wird schon lange im Supermarkt verkauft, https://www.welt.de/gesundheit/article109370720/Genfood-wird-schon-lange-im-Supermarkt-verkauft.html [Eingesehen am 18.05.17]

Universitätsklinikum Leipzig (2017): Sojaallergie, http://hautklinik.uniklinikum-leipzig.de/dermatologie.site,postext,allergologie,a_id,2325.html [Eingesehen am 18.05.17]

Alles zur Allergologie (2015): Soja: Typ-I-Nahrungsmittelallergien, (potenzielles) Typ IV-Kontaktallergen, http://www.alles-zur-allergologie.de/Allergologie/Artikel/4530/Allergen,Allergie/Soja/ [Eingesehen am 18.05.17]

Sandra Sternheimer, 23.05.2017

Von |2017-05-29T08:49:35+00:0026 Mai 2017|Interviews & Beiträge|0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf dieser Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. mehr Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close