Beitrag für Hausstauballergiker von Prof. Dr. med. Ludger Klimek

//Beitrag für Hausstauballergiker von Prof. Dr. med. Ludger Klimek

Hausstaubmilbenallergiker: Maßnahmen zur Reduzierung von Milben

Ziel von Karenzmaßnahmen ist, die Milbenzahl weitgehend zu reduzieren und ungünstige Lebensbedingungen für die verbleibenden Milben zu schaffen.

Die gründliche Reinigung der betreffenden Textilien ist grundsätzlich empfehlenswert. Mechanische Reinigungsverfahren (Staub saugen, Wischen, Ausklopfen, Kehren) bewirken eine Allergenreduktion durch Entfernung von Kotbestandteilen und toten Milbenkörpern.

Staubsauger sollten Feinstaubfilter zur Rückhaltung der eingesaugten Allergene erhalten und diese entsprechend den Herstellerangaben regelmäßig gewechselt werden. Die Abluftführung des Staubsaugergebläses sollte nach oben gerichtet sein, um den verbliebenen Staub nicht aufzuwirbeln. Die beste Alternative ist der Einbau einer zentralen Staubsaugeranlage. Aus dem Staubsauger austretender Feinstaub gelangt nicht wieder in den Raum, sondern wird nach draußen oder über ein zentrales Absaugeaggregat in einen Sammelbehälter (z. B. im Keller) geleitet.

Textilien (Bettwäsche, Kleidung) sollten bei > 60°C über ca. 60 Minuten gewaschen werden (oder Trockenreinigung), da dann zusätzlich zur Reinigung die Milben abgetötet werden. Alternativ können Kleidungsstücke (z.B. Wollsachen) trocken für 2 Stunden bei 60°C im Wäschetrockner behandelt und anschließend in kalter oder lauwarmer Waschlauge gewaschen werden. Kleidungsstücke, die für diese Behandlung nicht geeignet sind, können bei niedrigeren Temperaturen (z.B. 30°C) in Waschlauge mit kommerziell erhältlichen Waschzusätzen gereinigt werden.

Für Kuscheltiere empfiehlt sich die identische Behandlung, sowie die Aufbewahrung über Nacht im Tiefkühlfach (-20°C, mind. 5 Stunden).

Verhinderung des Kontakts mit Milbenallergen

Geeignete Milben- und allergendichte Bezüge umschließen Matratze, Decke und Kissen vollständig (sog. „Encasing“). Es handelt sich um impermeable Membranen, in der Regel aus Polyurethan, Polytetrafluoroethylen, Polyethylen. Ohne erkennbare Nebenwirkungen lässt sich mit deren Hilfe die Hausstaubmilbenallergen-Konzentration in der Einatemluft innerhalb weniger Tage um bis zu 98% verringern, Symptome und Medikamentenverbrauch werden minimiert. Im Bereich des „Ökosystems Bett“ sind sie der wirksamste Mechanismus zur Reduktion der Milbenallergenexposition.

Folgenden Ansprüchen sollten Milben- und Milbenallergenundurchlässige Bezüge genügen:

  • Sie dürfen sowohl für lebende Milben, als auch für Teile abgestorbener Milbenkörper und für die allergentragenden Partikel der Hausstaubmilben nicht penetrierbar sein.
  • Alle vorhandenen Nähte müssen verschweißt oder vernäht sein und dürfen maximal Porengrößen von 0,5 µg zulassen
  • Auch Verschlüsse in Form von Reiß-, Gleit- oder Klettverschlüssen müssen entsprechend dicht sein; Nähte und Verschlüsse müssen mehrmaliges Waschen vertragen und dauerhafte Funktionalität aufweisen
  • Die Bezüge müssen die Matratze vollständig umschließen; sog. „Spannbezüge“ erfüllen diesen Zweck nicht.
  • Sie müssen für Wasserdampf durchlässig sein, um unnötiges Schwitzen des Patienten zu vermeiden
  • Auch Kopfkissen, Oberbett und Decken müssen bezogen werden, bei Doppelbetten auch die Bettelemente des Partners

Schaffung ungünstiger Lebensbedingungen für Milben

Die Schaffung ungünstiger Lebensbedingungen für die Milben ist dauerhaft oft die erfolgreichste Methode. Eine Verringerung der relativen Luftfeuchtigkeit erreicht man ohne nennenswerte Einschränkungen der Lebensqualität meist durch ein umfassendes baubiologisches Konzept, das jedoch aus recht einfachen Maßnahmen bestehen kann. Hierzu gehören regelmäßiges Lüften, Beseitigung von Feuchtigkeitsquellen u.a. Maßnahmen.

Die Raumtemperatur sollte weit möglichst reduziert werden. Zumindest im Schlafzimmer sollte die Temperatur tagsüber nicht wesentlich mehr ca. 17°C betragen.

Die Art der Raumheizung beeinflusst ebenfalls den Milbenallergengehalt in Wohnräumen. In fußbodenbeheizten Räumen besteht bodennah eine deutlich geringere Luftfeuchtigkeit und höhere Temperatur als bei anders geheizten Räumen (thermische Aufwirbelung). Besonders ungünstig sind ungleichmäßig beheizte Räume, z.B. durch Öfen, aber auch Heizungen mit Gebläse (Nachtspeicheröfen).

Von |2016-12-02T04:11:11+00:0025 Apr 2016|Interviews & Beiträge|0 Kommentare

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